Es gibt keine universale Beteiligungsform
Es sei denn, du kennst mit universal eine, in der alle Jugendlichen beteiligt werden. Etwas, was in
Hamburg funktioniert, muss in Klein Woltersdorf noch längst nicht das beste Patent sein. Unterschiedliche
Jugendliche in einem unterschiedlichen Erfahrungsraum haben natürlich auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse.
Wir haben diese Unterscheidung auf Wismar bezogen.
Jugendparlament
Das System der Erwachsenen. Jugendliche wählen Abgeordnete, die sich zu regelmäßigen Sitzungen in ihrem
Parlament treffen. Sie organisieren ihre Treffen strikt mit Tagesordnung, Antragsverfahren, Arbeitsausschüssen
für bestimmte Themen, etc. Sie haben meist nur Anhörrecht oder Beraterrecht in der Ortsvertreterversammlung.
Selten verfügen sie über einen Haushalt in angemessener Höhe, von dem aus sie freigewählte Projekte finanzieren
können. Alle zwei Jahre wird neu gewählt. Oftmals finden sich keine Bewerber, es geht kein Jugendlicher zum
wählen oder die Leute haben nach einem halben Jahr Sitzungen ohne Ergebnisse keine Lust mehr und "verschwinden".
Dabei verschwimmen die Vorteile, wie Regelmäßigkeit und Rechenbarkeit des Erfolges.
Offene Form
Jede/r darf versuchen alles zu machen. Und scheitert, weil er/sie nicht weiß, wie mans richtig macht. Ein paar
Leute treffen sich z.b. und machen spontan eine Anti-Atomkraft-Demo. Sie gehen in einen Jugendclub, nehmen sich
die Gesellschaftsspiele, die sie mögen und spielen 'ne Runde. Dann gehen sie wieder rumhängen. Sie wollten mal
eine Besuchsfahrt zu einem KZ machen, wussten aber nicht, wie sie die Fahrt mit Fördermitteln stützen können.
Schließlich verlieren sie die Lust, weil sie nicht wissen, wie es richtig geht.
Wir haben diese zwei Beteiligungsformen in Wismar geprüft und sind dabei zu dem Entschluß gekommen, die Vorteile
beider zu vermengen. Zusätzlich nutzen wir den Rechtsstatus, den uns der Verein bietet.
Jugendforum - Wismarer Modell
Jugendliche treffen sich regelmäßig in lockerer Runde und sprechen über ihre Ideen. Wir überlegen zusammen, wie
diese umzusetzen sein können. Gemeinsam schreiben wir ein Konzept, stellen einen Organisations-, Zeit- und
Finanzplan auf. Der Verein stellt die Anträge und besorgt das Geld. Oder er finanziert es aus seinem eigenen
Haushalt. Die jungen Leute führen das Projekt durch. Es gibt eine Auswertung. Wir überlegen, was man hätte
besser machen können, was gut war, usw.
Ausführliches Statement
Jugendfragestunde
Das ist eigentlich kein echtes Beteiligungsmodell. Die Jugendlichen haben lediglich das Recht, ihre Meinung zu
sagen oder Antworten zu bekommen. In der Macht der Zuhörer, die meist die Entscheider sind, liegt es diese Ideen
umzusetzen. Aber sie ist ein Anfang der Kommunikation zwischen Jugendlichen und der Politik.
Jugendhilfeausschuss
Das ist eigentlich ein echtes Beteiligungsmodell. Allerdings ist Beteiligung dort für einen Jugendlichen nicht
erfahrbar. Der Jugendhilfeausschuß ist ein Untergremium der Stadt- oder Kreisvertretung. dort werden alle
wichtigen Entscheidungen getroffen. Das betrifft z.b. die Jugendhilfeplanung für die nächsten Jahre. D.h. da wird
beschlossen, wieviel Geld für Jugendprojekte, Kinderheime, Gehälter für städtischbezahlte Angestellte von
Jugendclubs usw. ausgegeben wird. Dort werden die zukunftsträchtigen Entscheidungen einer Kommune getroffen.
Allerdings sind die Sitzungen sehr langweilig und vollbesetzt mit Stadtvertretern. Diese haben die Jugend
größtenteils weit hinter sich gelassen.